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Der Pansen von Rindern

Beschreibung und Funktion

Der Pansen von Rindern ist ein sehr komplexes Thema. Um die verschiedensten Aspekte rund um den Pansen kompakt aufzuarbeiten haben wir Dr. Volker Potthast gebeten sich für uns dieses Themas anzunehmen. Entstanden ist daraus eine mehrteilige Artikelserie. Den ersten Teil über die Beschreibung und die Funktion des Pansens können wir Ihnen hier vorstellen:

„Wir glauben, dass wir die Kühe füttern, aber wir füttern zunächst den Pansen“.

Wiederkäuer - hierzu gehören neben Rind, Schaf und Ziege auch Hirsche, Antilopen, Büffel und Andere - besitzen neben dem eigentlichen Magen (dem Labmagen) drei „vorgeschaltete“ Mägen, nämlich den Pansen, den Netzmagen und den Blättermagen. Hierbei spielt vor allen Dingen der Pansen eine entscheidende Rolle für die Verdauungsvorgänge. Man geht davon aus, dass 60-70% der Energie und auch teilweise der Nährstoffe im Pansen umgesetzt werden. Der Pansen von Milchkühen mit einem Volumen von 150 - 180 Litern enthält eine ungeheuer große Zahl von Mikroorganismen (Bakterien, Protozoen und Andere). Mit Hilfe dieser Mikroorganismen sind Wiederkäuer in der Lage, Futterbestandteile zu verwerten, die Säugetiere ohne den Pansen (Monogastrier wie zum Beispiel Schweine) nicht aufschließen können.

Auch andere Säugetiere können solche Rohfaser-Bestandteile verwerten, zum Beispiel das Pferd, aber auch hier nur mit Hilfe der Mikroorganismen, die in diesem Falle allerdings am Ende des Verdauungstraktes, im Dickdarm, in großer Menge angesiedelt sind.

Der Pansen ist also eine sehr große Gärkammer, in der Futterbestandteile umgesetzt werden. In erster Linie betrifft dies die Kohlenhydrate (Stärke, Zucker, Cellulose, Hemicellulose, Lignin und andere). 

Diese Kohlenhydrate werden durch die Mikroorganismen fermentiert. Die dabei entstehenden Stoffwechsel-Endprodukte sind neben Gärgasen wie zum Beispiel Methan oder CO2 in erster Linie organische Säuren (Essigsäure, Propionsäure, Buttersäure, Milchsäure und andere). Diese Säuren werden größtenteils durch die Pansenwand absorbiert und gelangen so in den Blutkreislauf und damit in den Stoffwechsel der Kuh. Hier dienen sie einerseits zur Energieversorgung, zum anderen bilden sie Bausteine für den Körperzuwachs und für die Milchsynthese.

Der Panseninhalt kann grob in drei Bereiche eingeteilt werden: Im unteren Teil befindet sich die flüssige Phase (Wasser, Gärsäuren), im mittleren die feste Phase (Futterbestandteile), und im oberen Bereich die gasförmige Phase.

Futter, welches mit dem Fressvorgang in den Pansen gelangt, wird durch regelmäßige Bewegungen der Pansenwand (Pansen-Kontraktionen) nach hinten befördert, wobei es der Vergärung ausgesetzt ist. Nach einer „Rundreise“ durch den Pansen gelangen die Bestandteile in den Netzmagen. Hier werden Futterbestandteile, die schon weitgehend verdaut und somit klein sind, weiter in der Blättermagen und später in den Labmagen transportiert, gröbere Bestandteile hingegen werden durch eine kräftige Kontraktion des Netzmagens und des Pansenvorhofes oder Schleudermagen wieder durch die Speiseröhre ins Maul befördert, wo sie weiter zerkaut werden (das Wiederkauen).

Das Wiederkauen erfolgt fast wie ein Uhrwerk: Nachdem die Bestandteile ins Maul gelangt sind, kaut die Kuh sehr regelmäßig mit 50 -60 Kaubewegungen. Nach ca. einer Minute hört das Kauen kurz auf, das Futter wird abgeschluckt und weiteres Futter ins Maul befördert.

Diese Wiederkautätigkeit ist ungeheuer wichtig für die Kuh: einerseits dient sie dazu, das Futter weiter zu zerkleinern und damit den Mikroorganismen besser zugänglich zu machen, andererseits fließen beim Wiederkauen große Speichelmengen in den Pansen, was für dessen Funktion elementar wichtig ist: Dr alkalische Speichel (er enthält große Anteile an Natrium-Bikarbonat) puffert die im Pansen gebildeten Säuren ab und verhindert somit, dass es zu einem extremen pH-Wert-Abfall kommt (wie bei der Produktion von Silagen oder Sauerkraut).

Am Tag fließen bei einer leistenden Milchkuh ca. 120 – 180 l Speichel in den Pansen, im Extremfall auch bis zu 200 l.

Lesen Sie mehr im nächsten Newsletter zum Einfluss der Fütterung auf den Pansen und die Unterschiede in der Mast- bzw. Milchkuhfütterung von Dr. Volker Potthast.


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